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![]() Rudi Martinus van Dijk (link) und Heinrich Riemenschneider Rund zwanzig Jahre sollten vergehen, bis er 2002 zufällig auf Rudi Martinus van Dijk stieß. Die beiden kreativen Köpfe trafen sich bei einer Trauerfeier, und in diesem Zusammenhang hörte Riemenschneider erstmals van Dijks Shadowmaker für Bariton und Orchester (1978). Riemenschneider war begeistert, seine Entscheidung klar: van Dijk war der ideale Komponist für die Vertonung von Kreitens Leidensgeschichte. Schnell wurden Gespräche aufgenommen, Ideen ausgetauscht. Pläne geschmiedet. Es ist vor allem der Tatkraft Riemenschneiders zu verdanken. dass die vage Idee letztlich in die Tat umgesetzt werden konnte. Er konnte die Intendantin der Tonhalle Düsseldorf, Vera van Hazebrouck überzeugen, van Dijk einen Kompositionsauftrag zu erteilen, er selbst schrieb das Libretto für Kreiten's Passion, und nicht zuletzt machte er sich erfolgreich auf die Suche nach Sponsoren. Die l40 Seiten starke Partitur fasst rund 50 Minuten ergreifende Musik. Das Stück beginnt mit einer Art Klavierkonzert, das den Pianisten Kreiten imaginär konzertierend darstellt. Brutal beendet ein Peitschenschlag die Episode, der Chor applaudiert. Ein klangliches Sinnbild für das definitive Ende von Kreitens pianistischer Karriere, aber auch für die drohende Denunziation und Inhaftierung. Die folgenden solistischen Bariton-Passagen enthalten Kreitens Worte und Gedanken, während der Chor in klassisch-griechischer Weise das Geschehen kommentiert. Sieben instrumentale Interludien unterbrechen die vokale Klangwelt, um jeweils den aktuellen Gemütszustand Kreitens musikalisch zu beschreiben. Das Ende von Kreiten's Passion wird markiert durch einen bemerkenswert ruhigen Choral, der für sich selbst spricht: "Bring mich vom Tod zum Leben, gib Frieden meiner Seel' die Wahrheit soll mich leiten, für jetzt und alle Zeit." Wenn van Dijk heute von seiner Arbeit an der Passion berichtet. dann wird die große Kraftanstrengung spürbar, die ihn das Komponieren gekostet hat. Der 71-jährige empfand den Auftrag als echte Herausforderung. Zwar habe sich - so van Dijk - das Werk letztlich von selbst geschrieben, aber zwischen Mai 2002 und Februar 2003 hat er sieben Tage in der Woche und sieben Stunden täglich am Schreibtisch verbringen müssen. Kompositorisch jedenfalls "past het werk in mijn muzikaal denken" - resümiert van Dijk, der Kreiten's Passion trotz aller internationalen Einflüsse als Werk eines niederländischen Komponisten bezeichnet. Den konzentrierten Umgang mit Rhythmus und eine erweiterte Tonalität kennzeichnet er als Charakteristika seiner kompositorischen Werkstatt. Gelebte Erinnerung, so zeigen der große Einsatz von Rudi Martinus van Dijk und von Heinrich Riemenschneider, ist tatsächlich mehr als moralische Pflichterüllung. Autor und Komponist haben Erinnerung auf eine je individuelIe Weise - und ganz im Sinne von Richard von Weizsäckers - "zu einem Teil des eigenen Innern" gemacht. Ihr grenzüberschreitender Beitrag an der Erinnerung an Kreiten ist ein Stück lebendige Verbindung mit der Vergangenheit, ein Mahnmal in der Gegenwart und zugleich ästhetischer Proviant für eine verantwortungsvollere, menschlichere Zukunft. Michael Arntz
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